Rückenbeschwerden und Sexualität – ein unterschätzter Zusammenhang
Der Rücken kann viel sinnlichen Genuss vermitteln. Beim sexuellen Zusammensein sind die Beweglichkeit des Kreuzes sowie Flexibilität und Gelenkigkeit besonders wichtig. Bei chronischen und verstärkt bei akuten Rückenleiden kann es jedoch zu erheblichen Schmerzen kommen. Andererseits gilt auch: Lockere, achtsame Bewegungen können zur Beschwerdelinderung beitragen.
Die Wirbelsäule ist zudem ein Ort, an dem sich zahlreiche innere und äußere Störfaktoren als Schmerz manifestieren. Als Ausdruck der inneren Situation des Menschen ist sie – wie auch die umgebende Muskulatur – ein Projektionsfeld seelisch verankerter Spannungen. Dabei spielt ein unerfülltes Sexualleben insbesondere bei Frauen eine bedeutsame Rolle, wobei es keineswegs allein um Art, Anzahl und Intensität von Orgasmen geht, sondern um das gesamte Feld von Zuwendung und Anerkennung.
Organisch bedingte Rückenschmerzen – etwa durch einen nicht operierten Bandscheibenvorfall oder eine Instabilität von Wirbelsäulensegmenten – können die Freude an der Sexualität stören und so einen Kreislauf in Gang setzen, der bis hin zu psychogen überlagerten Rückenschmerzen führen kann. Genau hier setzen wir mit Aufklärung und Beratung an.
Was die Forschung zeigt
In einer Untersuchung an chronischen Schmerzpatienten (Ambler, Sexual difficulties of chronic pain patients, Clin. J. Pain 2001) berichteten 73 Prozent über Probleme mit der sexuellen Aktivität. Als Gründe wurden Schwierigkeiten mit der Lage, dem Aufstehen, Schmerzverstärkungen, geringes Vertrauen und Partnerprobleme genannt. Unterschiede zwischen Männern und Frauen gab es fast nicht.
Nach Büttner (Peterstaler Rückenschule) steht an erster Stelle das vertrauensvolle Gespräch mit dem Partner, der über bestehende oder beim Verkehr auftretende Rückenschmerzen Bescheid wissen sollte, um eine auftretende Lustlosigkeit nicht falsch zu deuten. Gemeinsam lässt sich nach Wegen suchen, bei denen beide zu ihrer Befriedigung kommen und der schmerzgeplagte Partner möglichst wenig belastet wird – ohne Tabus.
Nach Lowen ist zum Ausleben sexueller Wünsche eine aktive, „aggressive" Energie nötig – abgeleitet vom lateinischen aggredere, „vorrücken". Diese Energie fließt in die großen Muskeln von Rücken, Beinen und Armen. Wird der Energiefluss blockiert, kommt es unter anderem zur Verspannung der Rückenmuskulatur. Auch im Tai-Chi wird der Bereich des fünften Lendenwirbels als „himmlische Pforte" bezeichnet, die es zu öffnen gilt, damit die Energie im Rücken wieder frei fließen kann. Und: Der Starr-Weiner-Report (1982) belegte, dass auch ältere Menschen an einer befriedigenden Sexualität interessiert sind.
Sexualität nach Operationen an der Wirbelsäule
Bereits durch präoperative Verfahren kann es zu einem Libidoverlust kommen. Nach einer technisch gelungenen Operation fällt dagegen oft die schmerzbedingte Hemmschwelle weg, sodass das Verlangen frühzeitig zurückkehrt, sobald der Schmerz abgeklungen ist.
Gerade nach Bandscheiben-Operationen verbleibt häufig eine vorübergehende Instabilität des betroffenen Segments. Patientinnen und Patienten erhalten dafür Verhaltensregeln für den Alltag – die Aufklärung darüber, ab wann und in welcher Position wieder Sexualität möglich ist, wird jedoch oft vergessen. In einer Studie Büttners erhielten nicht einmal 15 von 100 Operierten eine solche Information. Dabei sind die Prinzipien für Hals-, Brust- und Lendenwirbelsäule dieselben.
Das Z.O.R Plus – der ganzheitliche Blick auf Rücken und Intimität
Im Z.O.R. am Roggenmarkt in Münster behandeln wir Rückenbeschwerden nicht symptomatisch, sondern fragen: Was braucht Ihr Rücken, um wieder in Balance zu kommen? Auf akute und chronische Beschwerden muss kein Verzicht auf ein erfülltes Sexualleben folgen. Voraussetzung ist gegenseitiges Einfühlungsvermögen – nach der Devise: „Es ist Liebe, wenn es der Partner schafft."
Bei schwacher Rumpf- oder Beckenbodenmuskulatur unterstützen wir Sie gezielt: Die Beckenbodenmuskulatur lässt sich trainieren, indem Sie die Muskulatur von Scheide und Blasenausgang wiederholt anspannen – 50- bis 100-mal am Tag. Ein guter Test ist das willentliche Stoppen des Urinflusses. Dieses Training kräftigt eine für die Erlebnisqualität wichtige Muskulatur nachhaltig.
Worauf Sie achten sollten – sichere Bewegungen
Damit Intimität auch bei empfindlichem Rücken Freude macht, gelten einfache Grundregeln. Erlaubt sind langsame Bewegungen bei gleichzeitiger Stabilisation durch Anspannung der rückennahen (paravertebralen) Muskulatur. Vermieden werden sollten schnelle, kurze und unkontrollierte Bewegungen, da es dabei zu schmerzhaften Rotationen kommen kann. Auch Stauchungsbelastungen sowie schnelle Vor-Rück-Bewegungen sind bei Instabilitäten ungünstig. Die Unterlage sollte weder zu weich noch zu hart sein.
Die besten Positionen bei Rückenbeschwerden
Je nach Beschwerdebild entlasten unterschiedliche Stellungen die Wirbelsäule:
Löffelposition – anstrengungslos und bequem; Wirbelsäule, Hüft- und Kniegelenke lassen sich leicht bewegen, der Rücken wird nur gering belastet.
Im Profil – günstig, wenn beide Partner Rückenschmerzen haben: Ein Partner liegt mit angewinkelten Knien auf dem Rücken, der andere seitlich mit angewinkelten Hüft- und Kniegelenken.
Angesicht zu Angesicht – in beidseitiger Zuwendung, sodass beide sich leicht und ohne Rückenbeschwerden bewegen können.
Bauchlage – angenehm für die unten liegende Frau; ein flaches Kissen unter dem Bauch schützt zusätzlich die Lendenwirbelsäule.
Frau rittlings – die stabile Neutrallage des Mannes mit LWS-Beschwerden ermöglicht schmerzfreien Genuss; die Frau kontrolliert Winkel und Tiefe.
Umgekehrte Missionarstellung – schont den Mann mit LWS-Beschwerden, geeignet besonders, wenn die Frau kleiner ist.
Sitzende Position – der Rücken wird an einer stabilen Lehne abgestützt, ein kleines Fußbänkchen verhindert eine schmerzhafte Hohlkreuzstellung.
Knieende Position – schont den Rücken auch bei beidseitigen Beschwerden; Kissen unter den Knien sorgen für Komfort.
So begleiten wir Sie im Z.O.R.
Offenes Gespräch: Wir sprechen das Thema aktiv und vertrauensvoll an – als selbstverständlichen Teil einer ganzheitlichen Rückentherapie.
Sorgfältige Diagnostik: Eine genaue anatomische und funktionelle Abklärung zeigt, welche Strukturen Ihre Beschwerden verursachen.
Konservative Schmerz- und Rückentherapie: Wir lindern Beschwerden ursächlich, bevor wir Belastungen wieder aufbauen.
Beckenboden- und Krankengymnastik: Gezieltes Training stabilisiert die Wirbelsäule und kräftigt die für die Sexualität wichtige Muskulatur.
Begleitende regenerative Maßnahmen: Bei Bedarf ergänzen wir das Konzept individuell, immer mit dem Ziel: schmerzfreie Beweglichkeit und Lebensqualität.
Sie möchten das Thema in einem geschützten Rahmen besprechen? Vereinbaren Sie gern einen Termin im Z.O.R. am Roggenmarkt in Münster.
























